Performance Marketing 11 min Lesezeit

Klickbetrug in Google Ads: Wie groß ist das Problem wirklich?

Anbieter von Schutz-Tools sprechen von jedem fünften Klick, Google von Filtern, die fast alles abfangen. Wir haben bei einem Kunden mit rund 50.000 € Monatsbudget in einem hart umkämpften Markt mit ClickCease mitgemessen und ordnen ein: was Google selbst gutschreibt, was der neue Credit Report zeigt, ob das Prüfformular noch funktioniert und ab wann sich ein Zusatztool rechnet.

Simon Bluhm
Co-Founder, rulers · LinkedIn ↗
Google Ads · Faktencheck
Klick Betrug?
TL;DR

Klickbetrug gibt es, im Google-Suchnetzwerk ist er aber kleiner, als die Zahlen der Tool-Anbieter nahelegen. Unabhängige Messungen liegen 2026 bei rund 3 bis 5 % ungültiger Klicks in der Suche, bei Shopping und AI Max höher. Google filtert den Großteil vor der Abrechnung heraus und schreibt nachträglich Erkanntes gut; Geld zurück aufs Konto gibt es nicht. Seit Juni 2026 zeigt der Invalid Activity Credit Report diese Gutschriften erstmals pro Kampagne. Das Click-Quality-Formular für manuelle Prüfungen ist weiterhin aktiv, deckt aber nur die letzten 60 Tage ab. In unserer Messung mit ClickCease waren 4,6 % der bezahlten Klicks auffällig. Bei 50.000 € Monatsbudget sind das bis zu 2.300 €, bei 600 € rund 28 €. Ob sich ein Schutz-Tool lohnt, ist vor allem eine Frage des Budgets.

Was als ungültiger Klick gilt

Google fasst unter „ungültigem Traffic" alle Klicks und Impressionen zusammen, die nicht aus echtem Interesse eines Nutzers entstehen. Dazu gehören manuelle Klicks, die die Kosten eines Werbetreibenden in die Höhe treiben sollen, automatisierte Klick-Tools, Bots und Crawler sowie Schadsoftware. Auch versehentliche Klicks wie der zweite Klick eines Doppelklicks fallen darunter. „Klickbetrug" meint im engeren Sinn den absichtlichen Teil: Wettbewerber, die fremde Budgets leer klicken, Klickfarmen und Bot-Netze, die auf Websites im Display-Netzwerk Werbeeinnahmen erzeugen.

Für Werbetreibende sind zwei Schäden zu unterscheiden. Der direkte sind bezahlte Klicks ohne Gegenwert. Der indirekte wiegt oft schwerer: Bots, die Formulare ausfüllen oder Conversions auslösen, verfälschen genau die Daten, mit denen Smart Bidding arbeitet. Das Gebotssystem lernt dann, mehr von diesem Traffic einzukaufen.

Was Google selbst filtert und gutschreibt

Google beschreibt ein zweistufiges System. Ein eigenes Team für Traffic-Qualität arbeitet mit automatischen Filtern, maschinellem Lernen und manuellen Prüfungen; die Verfahren sind vom Media Rating Council akkreditiert.

  • Vor der Abrechnung: Klicks, die die Filter als ungültig erkennen, solange der Abrechnungszeitraum läuft, werden nicht berechnet. Sie erscheinen in der Spalte „Ungültige Klicks", die man in der Kampagnenansicht über das Spalten-Symbol einblendet. Eine Erstattung ist hier nicht nötig, das Geld wurde nie abgebucht.
  • Nach der Abrechnung: Erkennt Google ungültige Aktivität erst, nachdem der Abrechnungszeitraum abgeschlossen ist, gibt es eine Gutschrift. Sie steht als eigene Position für ungültige Aktivität („Invalid activity") auf einer späteren Rechnung und in der Transaktionsübersicht.

„Google erstattet" ist deshalb nur halb richtig. Google schreibt gut: Der Betrag fließt als Guthaben zurück ins Werbekonto und wird mit künftigen Kosten verrechnet. Eine Auszahlung gibt es nicht.

Parallel baut Google die Erkennung aus. Im August 2025 berichtete das Unternehmen, dass Systeme auf Basis großer Sprachmodelle den ungültigen Traffic aus irreführenden oder störenden Anzeigenplatzierungen in mobilen Apps und auf Websites um 40 % gesenkt hätten. Das betrifft vor allem das Display- und App-Inventar, weniger die klassische Suche.

Neu: der Invalid Activity Credit Report

Lange waren diese Gutschriften nur eine Zeile auf der Rechnung, ohne Bezug zu einzelnen Kampagnen. Am 1. Juni 2026 hat Google erstmals eine eigene Hilfeseite für den Invalid Activity Credit Report veröffentlicht. Ob der Bericht neu ist oder nur erstmals dokumentiert wurde, lässt Google offen. Er liegt im Berichtseditor unter Kampagnen, in der Vorlagengalerie als „Invalid Activity Credit Report: Search & PMax".

Der Bericht bringt drei Kennzahlen zu den Gutschriften (gutgeschriebene Klicks, gutgeschriebene Interaktionen, gutgeschriebener Betrag) und sieben bereinigte Werte: Kosten, Klicks, Interaktionen, CTR, durchschnittlicher CPC, Conversion-Rate und Kosten pro Conversion, jeweils nach Abzug der Gutschriften. Zum ersten Mal sieht man damit, welche Kampagne und welches Netzwerk die meisten nachträglich erkannten ungültigen Klicks hatte und wie die Kampagne ohne sie dasteht.

Die Grenze: Der Bericht deckt nur Search und Performance Max ab. Display, Video, Demand Gen und App-Kampagnen fehlen, also gerade die Kampagnentypen, deren Inventar als anfälliger gilt.

Das Click-Quality-Formular: noch aktuell?

Ja. Google verweist in der aktuellen Hilfe zu ungültigem Traffic und auf der neuen Seite zum Credit Report weiterhin auf das Click Quality Form. Es ist für den Verdacht auf ungültige Klicks gedacht, außerdem für minderwertige Formulareinsendungen, Klicks außerhalb des Zielgebiets und plötzliche Kostensprünge. Die Rahmenbedingungen:

  • 60 Tage: Geprüft werden nur die letzten 60 Tage. Wer erst beim Quartalsreporting stutzig wird, ist für den Anfang des Quartals zu spät.
  • Angaben: zehnstellige Kundennummer, Zeitraum, betroffene Kampagnen und Keywords sowie eine Begründung. Belastbar wird eine Meldung mit Server-Logs, die IP-Adresse, User-Agent, Zeitstempel und GCLID der verdächtigen Klicks zeigen.
  • Dauer: Google spricht von mehreren Tagen. Erfahrungsberichte von Werbetreibenden reichen von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten mit wiederholtem Nachfassen. Einen Anspruch auf eine Gutschrift begründet die Meldung nicht.

Unsere Einschätzung: Das Formular lohnt sich bei klaren, belegbaren Ausreißern, etwa einem Kostensprung über Nacht mit Klicks aus Rechenzentren oder einer Serie gleichartiger Spam-Leads. Für ein gleichmäßiges Grundrauschen von wenigen Prozent ist der Aufwand meist größer als der Ertrag, zumal ein Teil davon bereits automatisch gefiltert oder gutgeschrieben wird.

Unsere Messung: 4,6 % bei 50.000 € Budget

Bei einem unserer Kunden läuft ClickCease als Messinstrument mit. Das Konto gibt rund 50.000 € im Monat für Google Ads aus, in einem Markt mit hartem Wettbewerb und entsprechend hohen Klickpreisen. Wenn Wettbewerber irgendwo Budgets leer klicken, dann in einem solchen Umfeld. Die Screenshots zeigen den Zeitraum vom 28. September bis 5. Oktober 2026.

ClickCease-Dashboard für bezahlten Traffic: 439 bezahlte Klicks, 20 ungültige bezahlte Klicks, Invalid Rate 4,6 %; Blocking Activity mit 149 ungültigen Zugriffen insgesamt und 0 blockierten, IP und IP Range jeweils 0, Events und Audiences mit Hinweis Set up; Verlaufsdiagramm Paid Traffic Trends vom 28. September bis 5. Oktober
ClickCease-Übersicht der bezahlten Klicks: 439 Klicks, davon 20 als ungültig markiert (4,6 %). Unter „Blocking Activity" steht bei „Total blocked" eine 0, Event- und Audience-Ausschlüsse sind nicht eingerichtet. Screenshot: Kundenkonto, anonymisiert, 5. Oktober 2026.

Drei Dinge fallen auf:

  1. 4,6 % statt 20 %. Von 439 bezahlten Klicks stufte ClickCease 20 als ungültig ein. Das passt zu unabhängigen Messungen für die Suche und liegt weit unter den 14 bis 22 %, die in vielen Anbieter-Blogs kursieren.
  2. Verdacht, kein Beweis. Die 20 auffälligen bezahlten Klicks ordnet das Tool komplett der Kategorie „Invalid Suspicious Activity" zu, also verdächtigem Verhalten. Auf der gesamten Website zählte ClickCease 17 Bot-Anfragen (1,65 % aller Anfragen), davon 9 Automatisierungstools und 8 als bösartig eingestufte Bots. Ein Muster, das auf gezieltes Leerklicken durch Wettbewerber hindeutet, zeigt das Dashboard nicht.
  3. Gemessen ist nicht verhindert. Gesperrt wurde im Zeitraum nichts, der Wert „Mitigated Risk" steht folgerichtig auf 0. Solange die Ausschlüsse nicht eingerichtet sind, ist ein Schutz-Tool ein Messinstrument.
ClickCease-Dashboard für den gesamten Website-Traffic: 1.013 gültige Anfragen (98,35 %), 17 Bad Bots und ungültige Anfragen (1,65 %), 0 bekannte Crawler; Diagramm Total Traffic Breakdown vom 28. September bis 5. Oktober mit Tooltip für den 30. September (156 gültige Anfragen, 0 ungültige) und Diagramm Invalid Traffic Breakdown mit ungültigen Seitenaufrufen und Interaktionen im einstelligen Bereich
Gesamter Website-Traffic im selben Zeitraum: 1.013 gültige Anfragen, 17 Bad Bots (1,65 %), keine bekannten Crawler. Rechts die als ungültig gewerteten Seitenaufrufe und Interaktionen pro Tag, durchgehend im einstelligen Bereich. Screenshot: Kundenkonto, anonymisiert, 5. Oktober 2026.

Zur Einordnung gehört eine Einschränkung: ClickCease sieht, wer auf der Website landet; Google sieht, was berechnet wird. Ein Teil der 20 Klicks dürfte auch von Googles eigenen Filtern erkannt und gar nicht berechnet worden sein. Bevor man den Wert in Euro umrechnet, steht deshalb der Abgleich mit der Spalte „Ungültige Klicks" und dem Credit Report für denselben Zeitraum an. Die 4,6 % sind die Obergrenze des möglichen Schadens, kein gesicherter Verlust.

Lohnt sich ClickCease?

ClickCease gehört seit der Übernahme durch CHEQ zu dessen Portfolio und wird inzwischen als CHEQ Essentials vermarktet. Das Prinzip: Ein Tag auf der Website, eingebunden über den Tag Manager, ein WordPress-Plugin oder direkt im Code, prüft jeden Besuch nach Angaben des Anbieters mit über 2.000 Verhaltenstests. Ist das Werbekonto verbunden (Google Ads, Meta oder Microsoft Ads), schließt das Tool auffällige Nutzer automatisch per IP-Ausschluss oder über Zielgruppen-Ausschlüsse von der Auslieferung aus. Die Preise beginnen bei 99 US-Dollar im Monat und steigen gestaffelt mit dem Traffic-Volumen.

Die technische Grenze setzt Google: Pro Kampagne lassen sich höchstens 500 IP-Adressen oder IP-Bereiche ausschließen. ClickCease rotiert die Liste deshalb und ersetzt ältere Einträge durch neue. Dazu kommt ein grundsätzliches Problem von IP-Sperren: Bot-Netze wechseln ihre Adressen laufend, während sich viele Mobilfunknutzer eine öffentliche IP teilen. Eine Sperre kann im ungünstigen Fall echte Interessenten treffen.

Die Rechnung selbst ist einfach. Bei rund 5 % ungültigen Klicks:

  • 600 € Monatsbudget: etwa 30 € potenziell verschwendet. Das Tool kostet mehr, als es retten kann.
  • 2.000 € Monatsbudget: etwa 100 €, ungefähr der Einstiegspreis. Ab hier stellt sich die Frage überhaupt.
  • 50.000 € Monatsbudget: bis zu 2.300 € im Monat, abzüglich dessen, was Google ohnehin filtert oder gutschreibt. Hier rechnet sich ein Schutz-Tool, vorausgesetzt, es sperrt tatsächlich.

Der zweite Nutzen ist schwerer zu beziffern und bei großen Konten oft der wichtigere: saubere Daten für das Gebotssystem. Zählen Bot-Leads als Conversion, optimiert Smart Bidding auf sie. Wie direkt Ziele und Gebote zusammenhängen, steht im Beitrag zu Smart Bidding. Wir betreuen Google-Ads-Konten seit 2006 und richten solche Prüfungen im Rahmen unserer Google-Ads-Betreuung ein. Wenn ihr euer Konto prüfen lassen wollt, schreibt uns über Kontakt.

Wo das Risiko steigt: AI Max, PMax, Partner

Die Quote hängt stark davon ab, wo Anzeigen laufen. Der Anbieter Lunio hat für seinen Retail-Bericht vom 12. August 2026 rund 414 Millionen Klicks aus dem Zeitraum Oktober 2025 bis Juni 2026 ausgewertet. Lunio verkauft selbst Schutzsoftware, die Zahlen sind trotzdem deutlich zurückhaltender als die üblichen Branchenschätzungen:

  • Klassische Search-Kampagnen: 3,07 % ungültige Klicks im zweiten Quartal 2026, nach 3,72 % im vierten Quartal 2025.
  • Search mit AI Max: 5,28 %, mehr als doppelt so viel wie im vierten Quartal 2025 (2,46 %). AI Max machte 55 % der Retail-Suchklicks aus, aber 68 % der ungültigen.
  • Google Shopping: 7,51 %, nach 4,16 %.
  • Zum Vergleich: Meta 5,99 %, TikTok 5,56 %.

Eine naheliegende Erklärung: Je stärker die Auslieferung automatisiert ist und je weiter sie über die eingebuchten Keywords hinausgeht, desto mehr Suchanfragen und Platzierungen kommen hinzu, die vorher niemand gesehen hat. Das betrifft AI Max, auf das Google seit September Search-Kampagnen mit Broad Match oder automatisch erstellten Assets umstellt (mehr dazu im September-Update), und Performance Max, das neben der Suche auch Display, YouTube und Partner-Inventar bespielt und dabei nur eingeschränkt zeigt, wo die Anzeigen erscheinen. Ähnliches gilt für die Suchnetzwerk-Partner, deren Websites man als Werbetreibender kaum einzeln kontrollieren kann.

Checkliste ohne Zusatztool

  1. Spalten einblenden: „Ungültige Klicks" und „Rate ungültiger Klicks" in der Kampagnenansicht und wöchentlich ansehen. Eine Rate im niedrigen einstelligen Bereich ist normal, ein plötzlicher Sprung ist ein Anlass.
  2. Credit Report monatlich: Berichtseditor, Vorlage „Invalid Activity Credit Report: Search & PMax". Er zeigt, welche Kampagnen nachträglich Gutschriften bekommen.
  3. Nach Netzwerk segmentieren: Suchnetzwerk-Partner getrennt ansehen. Konvertieren sie bei auffälligen Klickzahlen deutlich schlechter, abschalten.
  4. Placements prüfen: Für Performance Max und Display den Placement-Bericht ansehen und unpassende Apps und Websites auf Kontoebene ausschließen.
  5. Standortoption: „Präsenz" statt „Präsenz oder Interesse" wählen, wenn Kunden nur aus dem Zielgebiet kommen können. Klicks von außerhalb sind einer der häufigsten Gründe für Meldungen.
  6. Conversions absichern: Formulare mit Honeypot und Zeitprüfung gegen Bots schützen und nur qualifizierte Leads als Conversion an Google melden, etwa per Offline-Conversion-Import oder über die Conversion API. Dann optimiert Smart Bidding auf echte Anfragen.
  7. Logs vorhalten: Für eine Meldung über das Formular braucht man Server-Logs mit IP, User-Agent und GCLID. Die Speicherung braucht eine Rechtsgrundlage, in der Regel das berechtigte Interesse an der Betrugsabwehr, und eine kurze, dokumentierte Frist. 60 Tage passen zu Googles Prüfzeitraum.
  8. Ein Tool erst bei Bedarf: Ab einigen tausend Euro Monatsbudget oder bei hart umkämpften Keywords lohnt ein Testlauf mit einem Schutz-Tool. Dabei die Sperrfunktion auch einrichten und die Ergebnisse mit Googles eigenen Zahlen abgleichen.

FAQ

Erstattet Google Geld für ungültige Klicks?

Nicht als Auszahlung. Vorab gefilterte Klicks werden nicht berechnet, nachträglich erkannte als Gutschrift mit künftigen Kosten verrechnet. Der Credit Report zeigt sie seit Juni 2026 pro Kampagne.

Gibt es das Formular noch?

Ja, das Click Quality Form ist aktiv. Es gilt für die letzten 60 Tage, Server-Logs mit IP, User-Agent und GCLID helfen. Eine Gutschrift ist nicht garantiert.

Wie hoch ist der Anteil ungültiger Klicks?

Unabhängige Messungen 2026: etwa 3 % in der klassischen Suche, gut 5 % mit AI Max, 7,5 % bei Shopping. Bei unserem Kunden 4,6 %.

Lohnt sich ClickCease?

Grob ab 2.000 € Monatsbudget, deutlich bei fünfstelligen Budgets, und nur mit eingerichteten Ausschlüssen.

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