Was als KI-Traffic zählt
KI-Traffic sind Besuche, die über einen Link in der Antwort eines KI-Assistenten auf eure Website kommen: ChatGPT, Gemini, Microsoft Copilot, Perplexity, Claude, DeepSeek, Grok und einige kleinere Dienste. Davon zu trennen sind Googles eigene KI-Funktionen. Klicks aus den AI Overviews und dem AI Mode zählt Google zur organischen Suche, sie tauchen in GA4 also nie als KI-Traffic auf.
Für die Messung ist diese Unterscheidung wichtig, weil beide Arten völlig verschieden erfasst werden. KI-Assistenten erkennt GA4 am Referrer oder an einem UTM-Parameter, Googles KI-Funktionen nur indirekt über die Search Console. Wie ihr in beiden überhaupt erst sichtbar werdet, beschreiben wir auf unserer Seite zur Generative Engine Optimization.
Wie viel KI-Traffic es gibt
Gemessen am gesamten Website-Traffic ist der Anteil noch klein. Statcounter kam im August 2026 auf rund 0,25 Prozent aller Verweise, SE Ranking auf 0,32 Prozent des gesamten Traffics, nach 0,24 Prozent im Vorjahr. Innerhalb der KI-Verweise dominiert ChatGPT mit je nach Methode 63 bis 92 Prozent, Statcounter nennt für September 2026 rund 80 Prozent. Gemini wächst am schnellsten, Perplexity und Copilot verlieren Anteile.
Für einzelne Branchen sieht das ganz anders aus. Bei Software, Beratung und erklärungsbedürftigen Produkten liegen die Anteile oft um ein Vielfaches höher, und die Besucher kommen mit einer konkreten Frage. Der Kanal ist klein, aber er wächst, und er ist schlechter messbar als jeder andere. Genau deshalb lohnt es sich, ihn sauber aufzusetzen, bevor er relevant wird.
Der neue GA4-Kanal „AI Assistant“
Seit dem 13. Mai 2026 hat GA4 einen eigenen Standardkanal für KI-Traffic, ausgerollt bis Anfang Juni auf die meisten Properties. Erkennt GA4 einen KI-Assistenten am Referrer, setzt es das Medium auf ai-assistant und die Kampagne auf (ai-assistant). Der Kanal „AI Assistant“ greift genau dann, wenn das Medium ai-assistant lautet. Einrichten müsst ihr dafür nichts.
Drei Einschränkungen sollte man kennen:
- Unvollständige Liste: Google nennt als Beispiele ChatGPT, Gemini, DeepSeek, Copilot und Grok, eine vollständige Liste gibt es nicht. Mehrere Auswertungen berichten, dass Besuche aus Perplexity und Claude weiter unter „Referral“ landen.
- Nicht rückwirkend: Sitzungen vor der Umstellung bleiben in „Referral“. Ein Vergleich mit 2025 ist im Standardkanal nicht möglich.
- Abhängig vom Referrer: Fehlt er, greift der Kanal nicht, selbst wenn ein UTM-Parameter den Absender verrät. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Was GA4 trotzdem nicht sieht
Ein großer Teil des KI-Traffics kommt ohne Absender an. Die Apps von ChatGPT und anderen Assistenten öffnen Links häufig ohne Referrer, und viele Nutzer kopieren einen Link aus dem Chat in ein neues Browserfenster. Beides landet in GA4 unter „Direct“.
ChatGPT gleicht das teilweise aus und hängt an viele Links utm_source=chatgpt.com an, am häufigsten an Quellenangaben. Fehlt dabei der Referrer, hat die Sitzung eine Quelle, aber kein Medium. GA4 sortiert sie dann typischerweise unter „Unassigned“ ein und nicht unter „AI Assistant“.
Wie empfindlich das ist, hat der Oktober gezeigt. Vom 8. bis 15. Oktober 2026 fehlte nach dem Start von GPT-6 sowohl der UTM-Parameter als auch der Referrer, ChatGPT-Klicks liefen in dieser Woche fast vollständig unter „Direct“ ein. Laut Adobe hat OpenAI das als Fehler bestätigt, der UTM-Parameter ist seit dem 15. Oktober wieder da. Den Referrer übermittelt ChatGPT aber weiterhin bei den meisten Klicks nicht. Bereits erfasste Sitzungen korrigiert GA4 nicht nachträglich.
Eigene Kanalgruppe in fünf Schritten
Die zuverlässigste Lösung ist eine eigene Kanalgruppe, die KI-Assistenten an der Quelle erkennt, unabhängig von Medium und Referrer. Google beschreibt genau dieses Vorgehen selbst als Beispiel in der Hilfe. Ein Vorteil gegenüber dem Standardkanal: Eigene Kanalgruppen wirken rückwirkend, auch auf Daten aus 2025.
- In GA4 unter Verwaltung → Datenanzeige → Channel groups die Standard-Kanalgruppe kopieren.
- In der Kopie einen Kanal „KI-Assistenten“ anlegen.
- Bedingung: Quelle (Source) stimmt mit regulärem Ausdruck überein, mit dem Ausdruck unten.
- Den Kanal ganz nach oben schieben, mindestens vor „Referral“ und „Unassigned“. GA4 ordnet jede Sitzung dem ersten passenden Kanal zu.
- Speichern und in den Berichten zur Akquisition die neue Kanalgruppe als primäre Dimension wählen.
^(.*\.)?(chatgpt\.com|openai\.com|perplexity\.ai|claude\.ai|gemini\.google\.com|copilot\.microsoft\.com|deepseek\.com|grok\.com|meta\.ai|mistral\.ai|you\.com|poe\.com)$|^(chatgpt|perplexity|claude|gemini|copilot)$
Der Ausdruck erfasst die Domains der wichtigsten Assistenten inklusive Subdomains, etwa chat.openai.com oder chat.mistral.ai, und zusätzlich Quellen, die nur aus dem Namen bestehen. Standard-Properties haben zwei eigene Kanalgruppen frei, jede mit bis zu 50 Kanälen. Neue Dienste ergänzt ihr einfach im Ausdruck. Die passenden Quellen findet ihr im Bericht „Traffic-Akquisition“ mit der Dimension „Sitzungsquelle“.
Search Console und Bing: Sichtbarkeit ohne Klicks
Für Googles eigene KI-Funktionen bleibt GA4 blind, dort hilft die Search Console. Seit Juni 2026 gibt es dort Berichte zu generativer KI, seit Ende August für alle Properties. Sie zeigen, wie oft eure Seiten in AI Overviews und AI Mode erscheinen, aber keine Klicks und keine Suchanfragen. Mehr dazu in unserem SEO-Update vom Herbst.
Für Microsoft Copilot gibt es Vergleichbares in den Bing Webmaster Tools. Der Bericht „AI Performance“ zählt seit Februar 2026, wie oft eure Seiten in Copilot und in KI-Antworten bei Bing zitiert werden, samt der zugrunde liegenden Suchanfragen. Klicks fehlen auch hier. Beide Berichte zeigen damit Sichtbarkeit, GA4 zeigt den Teil davon, der als Besuch ankommt.
Unsichtbaren KI-Traffic eingrenzen
Den Anteil, der als „Direct“ ankommt, kann kein Tool sauber zuordnen. Eingrenzen lässt er sich trotzdem:
- Tiefe Seiten beobachten: Direktaufrufe auf einzelne Artikel oder Produktseiten, die niemand abtippt, sind oft kopierte Links aus einem Chat. Steigen sie auf Seiten, die auch über KI-Assistenten Besuche bekommen, ist das ein deutlicher Hinweis.
- Neue Nutzer prüfen: Echter Direktverkehr kommt meist von Wiederkehrern. Viele neue Nutzer im Kanal „Direct“ auf einer Fachseite sprechen für KI-Assistenten.
- Brüche notieren: Die Woche vom 8. bis 15. Oktober 2026 in GA4 als Anmerkung festhalten, damit der Knick nicht als Rückgang gelesen wird.
- Nachfragen: Ein Pflichtfeld „Wie habt ihr von uns erfahren?“ mit der Option „ChatGPT oder anderer KI-Assistent“ im Kontakt- oder Bestellformular liefert für B2B oft die ehrlichste Zahl.
- Eigene Links markieren: Wo ihr Links selbst setzt, etwa in Profilen oder Verzeichnissen, die KI-Assistenten gern zitieren, sorgen UTM-Parameter für Klarheit. Unser UTM-Generator zeigt dabei auch, in welchem GA4-Kanal der Link landet.
Unsere Empfehlung
Behandelt die Zahl im KI-Kanal als Untergrenze. Was dort steht, kam sicher aus einem KI-Assistenten, ein Teil des echten Volumens liegt aber in „Direct“ und „Unassigned“. Im Reporting zeigen wir deshalb drei Werte nebeneinander: die eigene Kanalgruppe „KI-Assistenten“ für die Entwicklung über die Zeit, die KI-Berichte aus Search Console und Bing für die Sichtbarkeit und die Direktaufrufe auf Fachseiten als Hinweis auf den Rest. Wichtiger als die genaue Zahl ist der Trend, und der lässt sich mit einer sauberen Kanalgruppe auch rückwirkend zuverlässig ablesen.
Ob eure Website für KI-Assistenten überhaupt gut lesbar ist, prüft unser kostenloser GEO-Checker. Wenn ihr Unterstützung bei GA4 und Kanalgruppen wollt, findet ihr unser Vorgehen auf der Seite zu Google Analytics 4.
FAQ
Wie sehe ich ChatGPT-Traffic in GA4?
Über den Kanal AI Assistant, wenn ein Referrer mitkommt. Weil er meist fehlt, landen viele Besuche unter Unassigned. Zuverlässiger ist eine eigene Kanalgruppe nach Sitzungsquelle.
Zählen AI Overviews als KI-Traffic?
Nein, GA4 zählt sie zur organischen Suche. Die Sichtbarkeit zeigt die Search Console, nur als Impressionen.
Erkennt GA4 auch Perplexity und Claude?
Nicht verlässlich. Die eigene Kanalgruppe mit dem Ausdruck oben schließt die Lücke.
Warum fehlte ChatGPT-Traffic im Oktober?
Vom 8. bis 15. Oktober 2026 fehlten UTM-Parameter und Referrer. Laut Adobe ein bestätigter Fehler, seit 15. Oktober behoben.
Wirkt eine eigene Kanalgruppe rückwirkend?
Ja, im Gegensatz zum Standardkanal AI Assistant.