Performance Marketing 12 min Lesezeit

GEO, AEO, LLMO: Wie man in ChatGPT und Co. sichtbar wird

Vier Begriffe für ein Feld, drei Anbieter mit drei Crawler-Politiken, eine Datei namens llms.txt und ein Cloudflare-Schalter, der mehr Sichtbarkeit verhindert als jeder Algorithmus. Wir sortieren, was davon zählt und was Marketing ist.

Simon Bluhm
Co-Founder, rulers · LinkedIn ↗
KI-Sichtbarkeit · Begriffe & Praxis
SEO GEO
TL;DR

GEO, AEO, LLMO und AI SEO beschreiben dasselbe Ziel: als Quelle in KI-Antworten auftauchen. Die Voraussetzung ist banal und wird trotzdem ständig verfehlt: Die Crawler von OpenAI, Anthropic und Perplexity müssen auf die Seite kommen, und dazwischen stehen robots.txt, Cloudflares „Block AI bots"-Regel und JavaScript-only-Inhalte. Danach zählt, was auch bei Google zählt: Struktur, Schema, konkrete Aussagen, benannte Autoren. Tools, die eine „Position in ChatGPT" versprechen, extrapolieren. Messbar ist nur die Voraussetzung, und die prüft ihr in einer Minute.

Vier Begriffe, ein Feld

Seit ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity Fragen direkt beantworten, gibt es eine neue Sichtbarkeitsfrage: Wird meine Seite in diesen Antworten genannt? Und wie bei jeder neuen Disziplin sind die Begriffe schneller entstanden als die Praxis. Vier davon begegnen euch ständig:

  • GEO (Generative Engine Optimization) ist der Oberbegriff. Ziel: als Quelle in generierten Antworten zitiert werden. Statt einer Ranking-Position gibt es einen binären Zustand: genannt oder nicht.
  • AEO (Answer Engine Optimization) betont das Format. Inhalte so bauen, dass eine konkrete Frage in zwei, drei Sätzen beantwortet ist und sich sauber herauslösen lässt. Featured Snippets waren die Vorstufe.
  • LLMO (Large Language Model Optimization) betont die Technik: Wie liest ein Sprachmodell einen Text, welche Struktur versteht es sicher, welche Entitäten erkennt es.
  • AI SEO ist der Sammelbegriff für Kundengespräche. Unpräzise, aber jeder weiß, was gemeint ist.

Unser Rat: intern mit „GEO" arbeiten. Der Begriff ist am weitesten verbreitet, präzise genug und erklärt sich selbst. Was dahintersteckt, ist ohnehin zu neunzig Prozent dasselbe, egal welches Kürzel auf der Folie steht.

Was die Anbieter wirklich tun

Bevor irgendein Modell eure Seite zitieren kann, muss ein Crawler sie gelesen haben. Die Anbieter dokumentieren ihre Crawler inzwischen sauber, und die Unterschiede sind relevant:

  • OpenAI trennt drei Zwecke: GPTBot für Trainingsdaten, OAI-SearchBot für die ChatGPT-Suche und ChatGPT-User für Live-Abrufe im Chat. Seit dem Deutschland-Start der ChatGPT Ads kommt OAI-AdsBot für die Landingpage-Prüfung dazu. Wer nur GPTBot blockt, bleibt in der Suche sichtbar; wer pauschal blockt, verschwindet überall.
  • Anthropic arbeitet nach demselben Muster mit ClaudeBot (Training), Claude-SearchBot und Claude-User, alle dokumentiert, alle respektieren robots.txt.
  • Perplexity hat 2025 für Aufsehen gesorgt: Cloudflare wies nach, dass Perplexity neben dem deklarierten PerplexityBot undeklarierte Crawler einsetzte, die robots.txt-Sperren umgingen. Das ist der Hintergrund, warum viele Bot-Schutz-Systeme seitdem generell härter gegen KI-Crawler vorgehen.
  • Google nutzt für seine KI-Produkte den Token Google-Extended. Wichtig, weil hier ein hartnäckiger Mythos kursiert: Ihn zu blockieren hat keinen Einfluss auf das Ranking in der Google-Suche. Es entscheidet nur, ob eure Inhalte in Gemini-Produkten verwendet werden. Der Googlebot der Suche bleibt davon unberührt.

Die praktische Konsequenz: Entscheidet pro Bot, nicht pauschal. Trainings-Crawler zu sperren und Such-Crawler zuzulassen ist ein legitimes Setup. Alles zu sperren, weil ein altes SEO-Rezept „nur Googlebot erlauben" sagte, kostet Sichtbarkeit, ohne irgendetwas zu schützen.

Was Google selbst dazu sagt

Für Googles eigene KI-Antworten ist die Lage seit diesem Sommer offiziell geklärt, und zwar ernüchternd für alle, die GEO als neue Geheimwissenschaft verkaufen. John Mueller antwortete am 20. August 2026 auf Bluesky, es gebe nichts Spezielles, was man tun könne, um in den KI-Antworten auf Google aufzutauchen. Sein Kollege Brendon Kraham hatte es im Juni ähnlich formuliert: Gute SEO sei gleichbedeutend mit guter GEO, niemand müsse Inhalte für Bots optimieren oder auf generische Top-10-Listen umschwenken. Und im Mai 2026 hatte Google erstmals eigene Empfehlungen für die KI-Suche veröffentlicht, deren Kern lautet: Die KI-Features basieren auf denselben Ranking- und Qualitätssystemen wie die klassische Suche.

Bluesky-Post von John Mueller (@johnmu.com, Google) vom 20. August 2026: I'm not quite sure what you're asking; from our POV there's nothing really special you need to do for generative AI responses in search.
Googles John Mueller am 20. August 2026 auf Bluesky: Aus Google-Sicht gibt es nichts Besonderes, was man für KI-Antworten in der Suche tun müsste. Quelle: bsky.app/profile/johnmu.com, Screenshot vom 27. August 2026.

Das ist die eine Hälfte der Wahrheit. Sie gilt für AI Overviews und den AI Mode, also für Antworten, die aus Googles Index gespeist werden. Die andere Hälfte hat Mueller nicht beantwortet: ChatGPT, Claude, Perplexity und Copilot haben ihre eigenen Crawler, ihre eigenen Indizes und ihre eigene Auswahl. Dort greift Googles „macht einfach gute SEO" nur, wenn die Crawler überhaupt auf die Seite kommen. Womit wir wieder beim Zugang wären.

Was die Forschung im August 2026 misst

Wer belastbare Zahlen statt Agentur-Folien will, findet sie inzwischen in der Wissenschaft. Eine im Juli 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit fasst die Messstudien der letzten drei Jahre zusammen, und vier Befunde daraus sind für die Praxis entscheidend:

  • KI-Zitate sind flüchtig. Bei AI Overviews stimmten die zitierten Seiten über zwei Monate nur zu 18 Prozent überein, in den organischen Google-Treffern zu 45 Prozent. Wer heute zitiert wird, ist es morgen nicht automatisch wieder. GEO ist Dauerarbeit, kein Projekt.
  • Fragen lösen KI-Antworten aus. Über alle Suchanfragen erschien eine AI Overview in rund 14 Prozent der Fälle, bei als Frage formulierten Anfragen in knapp 65 Prozent. Genau deshalb lohnt es sich, echte Fragen als Überschriften zu beantworten.
  • ChatGPT sucht oft gar nicht. In fast 58 Prozent der untersuchten Antworten hat ChatGPT keine Websuche ausgelöst, sondern aus dem Modellwissen geantwortet. In diesen Fällen zählt, ob eure Marke im Trainingswissen vorkommt, nicht, ob der Crawler heute vorbeikam.
  • ChatGPT dominiert. Rund 70 Prozent der KI-Suchnutzung entfallen auf ChatGPT. Wer priorisieren muss, priorisiert dort.

Und eine methodische Warnung aus derselben Arbeit, die direkt auf die Tool-Frage weiter unten zielt: Ein „Zitat-Anteil", der nur über Antworten mit Quellenangaben gerechnet wird, sagt nichts über die tatsächliche Sichtbarkeit aus. Genau so rechnen aber viele Dashboards.

llms.txt: nüchtern betrachtet

Die Datei llms.txt geistert durch jede GEO-Präsentation, meist mit falschen Angaben. Die Fakten: Vorgeschlagen hat sie Jeremy Howard (Answer.AI) im September 2024. Es ist keine Sperr- oder Freigabedatei wie robots.txt, sondern eine Markdown-Datei im Root der Domain, die KI-Systemen kuratiert erklärt, worum es auf der Seite geht und welche URLs die wichtigsten sind:

# rulers
> Digitalagentur aus Berlin für Tracking, Performance Marketing und KI.

## Leistungen
- [Performance Marketing](https://rulers.digital/performance-marketing): Google, Meta, TikTok, Native, ChatGPT Ads
- [Tracking & Analytics](https://rulers.digital/tracking-analytics): GA4, GTM, Server-Side, Conversion APIsllms.txt

Und die ehrliche Einordnung: Kein großer Anbieter hat bislang offiziell bestätigt, llms.txt auszuwerten. Es ist ein Vorschlag mit wachsender Verbreitung, kein Standard mit Garantie. Warum wir sie trotzdem pflegen: Der Aufwand liegt bei einer Stunde, der mögliche Schaden bei null, und als kuratierte Landkarte der eigenen Seite ist sie auch für Menschen nützlich. Erwartet keine Wunder, aber lasst sie auch nicht weg.

Der stille Blocker: Cloudflare und JavaScript

In unseren Checks scheitert ein erheblicher Teil der Seiten nicht an Inhalten, sondern bereits am Zugang. Die drei Muster, die wir am häufigsten sehen:

  • Cloudflare „Block AI bots". Die verwaltete Regel unter Security, Bots blockt pauschal alles, was Cloudflare als KI-Crawler einstuft, und ist bei vielen Konten aktiv, ohne dass der Betreiber davon weiß. Die robots.txt sagt „erlaubt", die Firewall antwortet mit 403. Genau daran scheitert seit dieser Woche übrigens auch die Anzeigenvorschau im ChatGPT-Anzeigenmanager.
  • Inhalte nur per JavaScript. Viele KI-Crawler führen kein JavaScript aus. Wenn Text, Preise oder die Navigation erst clientseitig gerendert werden, sieht der Crawler eine leere Hülle. Serverseitiges Rendering oder statisches HTML lösen das.
  • Login-Walls, CAPTCHAs, JavaScript-Challenges. Alles, was Menschen von Bots unterscheiden soll, hält auch die erwünschten Bots fern.

Deshalb unsere Reihenfolge: Erst den Zugang prüfen, dann über Inhalte reden. Ein Content-Audit für eine Seite, die kein KI-Crawler je gesehen hat, ist verschwendetes Geld. Unser GEO-Checker prüft in einer Minute robots.txt für 14 KI-Crawler, llms.txt, Struktur und Zitierfähigkeit.

Was danach zählt

Ist der Zugang geklärt, wird GEO unspektakulär und deckt sich weitgehend mit dem, was Google seit Jahren belohnt: eine H1, saubere Hierarchie, valides JSON-LD, konkrete Zahlen statt Adjektive, Fragen als Zwischenüberschriften, benannte Autoren, verlinkte Quellen. Wer das für die klassische Suche gemacht hat, ist für KI-Antworten zu zwei Dritteln fertig. Wie wir das restliche Drittel angehen, steht auf unserer Seite zur GEO-Betreuung; die Brücke von der klassischen Optimierung dorthin beschreibt die SEO-Seite. Und für Shops kommt eine Ebene dazu, die wir im Artikel zum OpenAI-Produktfeed auseinandergenommen haben.

Marke und Reputation: was Modelle lernen

Bis hierhin ging es um Zugang und Struktur. Beides ist notwendig, aber es erklärt nicht, warum ein Modell auf die Frage nach einer guten Agentur, einem guten Zahnarzt oder einem guten Shop bestimmte Namen nennt und andere nicht. Die Zahl aus dem Forschungsabschnitt gibt die Richtung vor: Wenn ChatGPT in fast 58 Prozent der Fälle gar nicht sucht, sondern aus dem Modellwissen antwortet, dann entscheidet, was über eine Marke im Netz steht, lange bevor der Crawler eure Seite sieht. Sprachmodelle lernen aus Bewertungen, Presse, Branchenverzeichnissen, Foren, Social-Profilen und Wikipedia, und sie gewichten dabei genau das, was Menschen auch gewichten: Gibt es diese Marke wirklich, ist sie aktiv, hat sie eine Geschichte, und wie reden Kunden über sie?

Das macht drei Dinge zur GEO-Arbeit, die klassisch als Markenarbeit gelten:

  • Eine lebende Marke. Aktive Kanäle, aktuelle Beiträge, echte Ansprechpartner mit Namen, ein Impressum, das zur Google-Unternehmensprofil-Adresse passt. Eine Website, auf der seit 2023 nichts passiert ist, liest sich für ein Modell wie für einen Kunden: als ruhende Firma.
  • Vita und Heritage. Seit wann gibt es euch, was habt ihr gemacht, wer hat über euch berichtet. Konsistente Daten dazu auf der eigenen Seite (Organization-Schema mit foundingDate und sameAs auf alle Profile), in Verzeichnissen und in der Presse machen aus einem Namen eine Entität, die das Modell einordnen kann.
  • Reputationsmanagement. Bewertungen bei Google, Trustpilot, ProvenExpert oder in Branchenportalen sind für Modelle Trainingsmaterial und für RAG-Antworten Quellen. Wer auf Bewertungen antwortet, negative Threads klärt statt ignoriert und veraltete Einträge korrigiert, formt damit direkt, was ein Modell über die Marke „weiß". Was dort steht, wird zitiert, auch wenn es falsch oder alt ist.

Wir haben in unserer Kampagnenarbeit gelernt, dass Marke und Performance keine Gegensätze sind, und bei KI-Antworten zeigt sich das besonders deutlich: Die Modelle empfehlen, was sie oft und positiv gesehen haben. Damit bekommt auch Muellers Satz seinen eigentlichen Sinn. Man muss nichts Besonderes tun, weil das Besondere längst die normale Arbeit ist: erreichbar sein, sauber strukturiert sein, eine Marke pflegen, die im Netz sichtbar und ansprechbar ist. Wer das ernst nimmt, braucht kein GEO-Geheimrezept. Wer es nicht tut, dem hilft auch keins.

KI-Ranking-Tools: was sie können und was nicht

Inzwischen versprechen Tools „Position 3 in ChatGPT" oder einen „KI-Sichtbarkeits-Score von 8,4". Dazu eine nüchterne Einordnung: Es gibt keine Positions-API, und KI-Antworten sind nicht deterministisch. Dieselbe Frage liefert je nach Formulierung, Zeitpunkt und Nutzerkontext andere Quellen. Eine feste „Position" existiert schlicht nicht.

Was solche Tools tatsächlich tun: Sie stellen Prompts in Stichproben, zählen, wie oft eine Domain genannt wird, und rechnen das in einen Score um. Als Trend-Indikator über Wochen ist das brauchbar. Als Ranking-Aussage ist es Fiktion. Verlässlich messbar ist nur die Voraussetzung: Kommt der Crawler rein, ist die Struktur sauber, sind die Inhalte zitierfähig. Genau darauf haben wir unseren GEO-Checker gebaut, bewusst ohne erfundene Positionen.

Nächste Schritte

  1. Zugang prüfen: robots.txt je Bot entscheiden, Cloudflare-Regel „Block AI bots" kontrollieren, Inhalte im ausgelieferten HTML statt nur per JavaScript.
  2. llms.txt anlegen: eine Stunde, kuratiert, ehrlich.
  3. Struktur reparieren: H1, Überschriften, JSON-LD validieren.
  4. Top-Seiten zitierfähig machen: Fragen, Zahlen, Autoren, Quellen.
  5. Stichproben-Monitoring: monatlich dieselben zehn Fragen an ChatGPT, Perplexity und Gemini stellen und notieren, wer genannt wird. Trend statt Position.

Wir bauen seit 2006 Sichtbarkeit in Suchsystemen und haben GEO als festen Teil unseres SEO-Stacks verankert. Wenn ihr wissen wollt, wo eure Seite steht: erst der GEO-Checker, dann gern das Gespräch über Kontakt. Erstgespräch unverbindlich.

FAQ

GEO, AEO oder LLMO, welcher Begriff ist richtig?

Alle meinen dasselbe Ziel mit anderem Schwerpunkt. GEO hat sich als Arbeitsbegriff durchgesetzt.

Schadet das Blockieren von KI-Crawlern meinem Google-Ranking?

Nein. Google-Extended betrifft nur Gemini-Produkte, nicht die Suche. Ihr verliert Sichtbarkeit in KI-Antworten, nicht bei Google.

Brauche ich llms.txt?

Offiziell wertet sie kein Anbieter bestätigt aus. Eine Stunde Aufwand, null Risiko, deshalb ja, aber ohne Wunder-Erwartung.

Warum sieht der Crawler meine Seite nicht, obwohl robots.txt erlaubt?

Meist Cloudflare „Block AI bots", sonst JavaScript-only-Inhalte oder Login-Walls.

Kann ein Tool meine ChatGPT-Position zeigen?

Nicht verlässlich. Es gibt keine Positionen. Stichproben-Trends ja, Rankings nein.

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