Was heute gestartet ist
OpenAI rollt seit dem 24. August 2026 Werbung in ChatGPT auf 31 europäische Märkte aus, Deutschland ist dabei. Betroffen sind die kostenlose Free-Stufe und das günstige Go-Abo. Wer Plus, Pro, Business oder Edu bezahlt, bleibt nach aktuellem Stand werbefrei. In den USA läuft das Programm bereits seit Februar, und genau deshalb lohnt der Blick über den Atlantik: Dort gibt es inzwischen echte Zahlen statt Ankündigungsprosa.
Einordnung zur Größenordnung: ChatGPT ist für viele Menschen zur ersten Anlaufstelle für Produkt- und Kauffragen geworden. Eine Werbefläche an dieser Stelle ist kein weiteres Display-Netzwerk, sondern der Versuch, die kommerziellste Sekunde des Internets zu monetarisieren: den Moment, in dem jemand eine Kaufentscheidung recherchiert.
Wie die Anzeigen aussehen
Das Format heißt Chat Card: ein kurzer Titel, maximal 100 Zeichen Text, ein Bild, Favicon und Ziel-URL. Die Anzeige erscheint unterhalb der Antwort, klar als gesponsert gekennzeichnet und optisch vom Antworttext getrennt. Pro Antwort gibt es eine einzige Anzeige. OpenAI betont, dass die Antworten selbst nicht von Werbegeldern beeinflusst werden.
Zwei Details verdienen Aufmerksamkeit. Erstens: Nutzer können die Personalisierung der Werbung abschalten, nicht die Werbung selbst. Werbefrei gibt es nur gegen Abo. Zweitens: Weil nur eine Anzeige pro Antwort existiert, ist die Werbefläche knapp. Knappe Flächen mit hoher Kontexttreffer-Qualität sind historisch die wertvollsten im Online-Marketing.
Stolperstein Nummer eins: Der Crawler muss auf eure Seite
Ein Detail, das in den Launch-Meldungen fehlt und in der Praxis sofort zuschlägt: Beim Anlegen einer Kampagne crawlt OpenAI eure Landingpage. Daraus baut der Anzeigenmanager die Anzeigenvorschau, prüft die Seite gegen die Werberichtlinien und nutzt den Inhalt, um zu entscheiden, zu welchen Fragen die Anzeige passt. Der zuständige Crawler heißt OAI-AdsBot, den müsst ihr zulassen; zusätzlich empfiehlt OpenAI, auch OAI-SearchBot freizugeben.
Scheitert der Zugriff, zeigt der Anzeigenmanager schon im Onboarding eine Fehlermeldung und bittet euch, die Crawler-Einstellungen zu prüfen. Wir haben das heute bei einer Kundenseite live erlebt. Nach OpenAIs eigener Anleitung gibt es drei Schichten, an denen es hakt:
- robots.txt: Steht dort ein Disallow für den Bot (oder ein pauschales Disallow), bricht der Crawl sofort ab. OpenAI respektiert die Datei strikt.
- Bot-Schutz wie Cloudflare oder Akamai: Die Schutzschichten halten den Crawler gern für Angriffs-Traffic und antworten mit 403. Bei Cloudflare ist der häufigste Verursacher die verwaltete Regel „Block AI bots" (unter Security, Bots): Sie blockt pauschal alles, was Cloudflare als KI-Crawler einstuft, also auch die OpenAI-Bots, die ihr für die Anzeigen braucht. Die Lösung ist ein Klick auf „Do not block (allow crawlers)", alternativ eine gezielte Allowlist-Regel nur für die OpenAI-User-Agents.
- CAPTCHAs und JavaScript-Challenges: Menschen-Prüfungen auf Anwendungsebene blocken automatisierte Systeme naturgemäß, auch die erwünschten.
# robots.txt: OpenAI-Crawler fuer Ads (und Suche) zulassen
User-agent: OAI-AdsBot
Allow: /
User-agent: OAI-SearchBot
Allow: /robots.txt
Ob eure Seite die wichtigsten KI-Crawler durchlässt, prüft übrigens unser kostenloser GEO-Checker in einer Minute, den OAI-AdsBot haben wir heute mit aufgenommen.
Die US-Zahlen seit Februar
Der US-Start liefert seit einem halben Jahr Daten, und die erzählen eine klare Geschichte:
- Die Preise sind schnell gefallen. Gestartet ist OpenAI bei rund 60 Dollar CPM mit 200.000 Dollar Mindestbudget, ein Setup für Konzernkassen. Bis Anfang Mai wurde das Mindestbudget komplett gestrichen und die CPMs lagen bei etwa 25 Dollar. Berichtete Klickpreise bewegen sich je nach Quelle zwischen rund 1,70 und 5 Dollar.
- Die Klickraten sind niedrig. Typisch sind 0,3 bis 1,5 Prozent, deutlich unter Google Search. Das ist konstruktionsbedingt: eine Anzeige pro Antwort, kein Anzeigenblock.
- Die Conversion-Rates sind das eigentliche Signal. Branchenauswertungen sehen gute kommerzielle Kampagnen bei 4 bis 7 Prozent Conversion-Rate, Spitzenwerte darüber, und damit über den vergleichbaren Werten von Google Search und Meta. Wer aus einer konkreten Kauffrage heraus klickt, ist eben weit im Entscheidungsprozess.
- Die Streuung ist enorm. Ein öffentlich dokumentierter 15-Tage-Testlauf landete bei einem gemischten ROAS von 1,49 bei etwa 1,70 Dollar CPC, mit Tagesschwankungen zwischen 0,2 und 2,9. Ein junger Kanal eben: kein Selbstläufer, aber auch kein Strohfeuer.
Wichtige Einschränkung: OpenAI selbst hat noch keine offiziellen Benchmarks veröffentlicht. Alle Zahlen stammen aus Agentur- und Advertiser-Berichten mit begrenzten Stichproben. Als Richtungsanzeiger taugen sie, als Planungsgrundlage nur mit Vorsicht.
Wie man den Kanal misst
Als Tracking-Leute war das unsere erste Frage, und die Antwort ist erfreulich konkret. Der OpenAI Ads Manager organisiert Kampagnen, Anzeigengruppen und Anzeigen und liefert sieben Basis-Metriken. In Deutschland läuft er als „Anzeigenmanager" noch mit Beta-Stempel, die Konto-Einrichtung ist Self-Service in wenigen Schritten: kein Sales-Gespräch, kein Gatekeeping, jeder kann heute ein Werbekonto anlegen. Für Conversions gibt es drei Wege: das oaiq-JavaScript-Pixel im Browser, die serverseitige Conversions API und einen Image-Tag-Fallback ohne JavaScript. Wer unsere Artikel kennt, ahnt die Empfehlung: Pixel plus Conversions API parallel, sauber über den Tag Manager, wie bei Meta und Co. auch.
Dazu kommen zwei Eigenheiten, die man kennen muss. Erstens meldet der Ads Manager Events mit rund sieben Stunden Verzögerung, Echtzeit-Optimierung ist also nicht. Zweitens, und wichtiger: Nach ersten US-Analysen kommt nur etwa 40 Prozent der ChatGPT-getriebenen Conversions in der Klick-Session an. Der Rest läuft später über Direktzugriffe und Marken-Suchen ein, und GA4 untererfasst den Kanal zusätzlich durch Referrer-Verluste aus Apps und kopierten Links. Ohne konsequente UTM-Parameter und eine Messbasis, die über Last-Click hinausdenkt, wird man diesen Kanal systematisch unterschätzen.
Was das bedeutet
Für Werbetreibende: Es gibt gerade ein Zeitfenster, das es so selten gibt. Die Preise sind von der Konzern-Schwelle auf Test-Niveau gefallen, der deutsche Auktionsdruck startet bei null, und die US-Daten deuten auf ungewöhnlich kaufnahe Klicks. Solche Fenster schließen sich, sobald die Masse kommt. Die richtige Antwort ist ein kontrollierter Test mit klarem Budget, nicht der große Umbau des Mediaplans.
Für Sichtbarkeit insgesamt: Bezahlt und organisch wachsen in ChatGPT zusammen. Dieselbe Plattform zitiert Quellen, zeigt Produkte aus Feeds und verkauft jetzt Anzeigen. Wer nur Ads bucht, aber per GEO unsichtbar bleibt und keinen Produktfeed liefert, verschenkt die halbe Fläche.
Für uns konkret: Wir haben die ersten Kundenkampagnen im OpenAI Ads Manager laufen und sind selbst gespannt, wie sich die US-Muster nach Deutschland übertragen. Sobald die Datenbasis trägt, veröffentlichen wir die Ergebnisse hier im Blog. Was der Kanal kann, wie das Setup aussieht und für wen sich der Einstieg jetzt lohnt, steht auf unserer neuen Seite zu ChatGPT Ads. Wer direkt sprechen will: Kontakt, Erstgespräch unverbindlich.
FAQ
Wer sieht die Werbung?
Free- und Go-Nutzer. Plus, Pro, Business und Edu bleiben werbefrei.
Kann man die Werbung abschalten?
Nein, nur die Personalisierung. Werbefrei gibt es nur per Abo.
Was kostet Werbung in ChatGPT?
Offizielle Preislisten für Deutschland gibt es nicht. US-Richtwerte: CPMs um 25 Dollar (nach 60 zum Start), Klickpreise zwischen rund 1,70 und 5 Dollar, kein Mindestbudget mehr.
Wie misst man Conversions?
oaiq-Pixel im Browser plus serverseitige Conversions API, dazu UTM-Parameter auf jeder Ziel-URL. Und Geduld: Events laufen mit Stunden Verzögerung ein, viele Conversions kommen erst nach der Klick-Session.
Jetzt einsteigen oder warten?
Testen, wenn euer Produkt aus Recherche-Fragen heraus gekauft wird und eure Messstrecke steht. Warten, wenn Budget oder Tracking noch nicht so weit sind. Wir schalten Anzeigen seit 2006, und junge Kanäle belohnen die, die früh sauber messen.